Ist dieser ganze Reliquienkult nicht irgendwie ganz schön pervers?

Diskussion zu “Ist dieser ganze Reliquienkult nicht irgendwie ganz schön pervers?”

  1. Inwiefern ist der Reliquienkult pervers? Er mag vielleicht ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein, aber dass er pervers ist, finde ich keineswegs.
    Es hilft vielleicht, sich vor Augen zu führen, wo der (christliche) Reliquienkult seinen Ursprung hat: Wir befinden uns im 6. und 7. Jahrhundert, als (das gerade frisch christianisierte) Europa von einer hohen Kindersterblichkeit und einer sehr niedrigen Lebenserwartung geprägt ist. In dieser Situation gelten Überreste von heiligen Personen als besonders kraftgebend und schützend. Die Idee dahinter ist: Eine heilige Person befindet sich im Jenseits besonders nahe bei Gott. Weil die Überreste des Heiligen noch von ihm selbst ‚erfülllt‘ sind, sind sie eine Verbindung zum Heiligen selbst. Dann ist auch klar: Je mehr Reliquien man hatte, desto größer war der ‚Schutzmantel‘, unter dem man stand.
    Das ist heute natürlich nicht mehr zeitgemäß. Insofern kann ich es auch verstehen, dass man es ‚pervers‘ findet, dass viele Menschen den Drang haben, Reliquien anzufassen. Aber trotzdem können Reliquien auch heute noch ein Zeichen sein: Sie können immer noch verstanden werden als ein Erinnerungsstück an Heilige – und damit als Erinnerung an die Vorbildfunktion, die der/die entsprechende Heilige hat.

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